Wie treffen Sie die richtige Entscheidung?
- Urs Steffen
- 4. Nov.
- 4 Min. Lesezeit
Ein praktischer Leitfaden für mehr Klarheit und weniger Zweifel
Jeden Tag treffen wir Entscheidungen – grosse und kleine. Die meisten laufen nebenbei. Doch wenn es wirklich zählt, wird’s kompliziert: Schwierige Fragen begegnen uns allen. Soll ich kündigen oder bleiben? Den sicheren Weg gehen oder etwas riskieren? Mich auf mein Bauchgefühl verlassen oder lieber rational abwägen? Was machen Sie in solchen Situationen? Werfen Sie eine Münze oder legen Sie die Karten?

Warum uns Entscheidungen oft so schwerfallen
Zunächst: Es liegt nicht an Ihnen. Entscheidungen fordern uns, weil sie fast immer mit Verzicht verbunden sind. Wer sich für A entscheidet, sagt automatisch Nein zu B. Das kann Unsicherheit auslösen – selbst dann, wenn die gewählte Option objektiv sinnvoll erscheint.
Zudem sind wir heute mit einer Flut an Möglichkeiten konfrontiert. Der sogenannte Overchoice-Effekt beschreibt genau das: Je mehr Auswahl, desto schwerer fällt die Entscheidung. Perfektionismus, Angst vor Fehlern und sozialer Druck verstärken das Zögern zusätzlich.
Kurz gesagt: Wir wollen keine gute Entscheidung – wir wollen die perfekte. Doch Perfektion ist nicht das Ziel. Bewusst entscheiden ist das Ziel.
Die 4-Schritte-Methode: Klar entscheiden in komplexen Situationen
Um Entscheidungsprozesse greifbar und machbar zu gestalten, hilft ein einfacher, aber wirkungsvoller Rahmen. Die folgenden vier Schritte sind logisch aufeinander aufgebaut – jeder klärt einen zentralen Aspekt, der zum Entscheidungsprozess gehört.
1. Was wollen Sie wirklich?
Bevor es um Optionen geht, braucht es eine klare Zieldefinition. Fragen Sie sich:
Geht es um kurzfristige Entlastung – oder langfristige Entwicklung?
Möchten Sie etwas vermeiden – oder gezielt etwas erreichen?
Was steht für Sie wirklich auf dem Spiel?
Diese Klärung schafft den inneren Bezugspunkt. Ohne ein klar definiertes Ziel bleibt jede Bewertung von Alternativen wackelig.
2. Optionen eingrenzen
Nicht die Menge an Möglichkeiten entscheidet über die Qualität einer Wahl, sondern die Relevanz. Beschränken Sie sich auf zwei bis drei realistische Optionen – und halten Sie diese schriftlich fest.
Lassen Sie sich bei diesem Schritt bewusst Zeit. Eine Nacht Abstand kann helfen, Klarheit zu gewinnen oder neue Ideen zuzulassen. Entscheiden bedeutet nicht, alles auf einmal zu wissen – sondern Optionen bewusst zu gestalten.
3. Kriterien festlegen
Jetzt geht es um Prioritäten. Welche Werte oder Bedingungen sind Ihnen wichtig?
Beispielhafte Kriterien:
Sicherheit
Entwicklungsmöglichkeiten
Einkommen
Einfluss
Flexibilität
Geben Sie Ihren Kriterien eine Gewichtung – etwa in Prozenten. So entsteht eine Entscheidungsgrundlage, die nicht nur rational, sondern auch wertebasiert ist.
4. Entscheiden – und Verantwortung übernehmen
Wenn Ziel, Optionen und Bewertung klar sind, wird die Entscheidung oft fast automatisch sichtbar. Trotzdem ist der letzte Schritt entscheidend: Treffen Sie Ihre Wahl bewusst. Verschieben Sie nun nicht mehr auf später – es wir häufig nicht besser. Denn jede Entscheidung bringt Bewegung – auch wenn sie nicht perfekt ist. Stillstand hingegen bringt gar nichts.
Wie das in der Praxis aussehen kann: ein Beispiel
Ausgangslage: Eine Fachperson steht vor der Frage: Soll sie ihre sichere Stelle beim Staat behalten – oder ein Angebot eines Start-ups annehmen, das mehr Freiraum, aber auch mehr Risiko mit sich bringt?
Schritt 1: Ziel klären
Nach intensiver Reflexion erkennt die Person: «Ich beabsichtige, mich beruflich weiterzuentwickeln und möchte mehr Verantwortung übernehmen – aber ich habe auch ein Bedürfnis nach Stabilität.»
Das Ziel lautet also nicht einfach: Neuer Job ja oder nein?, sondern: Weiterentwicklung mit tragbarem Risiko.
Schritt 2: Optionen eingrenzen
Sie formuliert drei realistische Alternativen:
Option A: In der aktuellen Position bleiben
Option B: Zum Start-up wechseln
Option C: Eine neue Stelle mit Entwicklungsmöglichkeiten UND Sicherheit suchen
Interessant: Option C war ihr vorher gar nicht bewusst. Erst durch die gezielte Auseinandersetzung wurde sie sichtbar.
Schritt 3: Kriterien definieren und gewichten
Die Fachperson legt folgende Kriterien fest:
Entwicklung: 40 %
Sicherheit: 30 %
Einfluss: 20 %
Gehalt: 10 %
Beim Abgleich ergibt sich folgendes Bild:
Option A erfüllt das Sicherheitsbedürfnis, bietet aber kaum Entwicklung.
Option B punktet bei Entwicklung und Einfluss, aber kaum bei Sicherheit.
Option C könnte beides verbinden – mit etwas Aufwand bei der Suche.
Schritt 4: Entscheidung treffen
Auf Basis ihrer Werte, Ziele und der realistisch bewerteten Optionen entscheidet sich die Fachperson für Option C: Aktive Suche nach einer Position, die sowohl Entwicklung als auch Stabilität bietet.
Dies ist keine Ausflucht, sondern eine bewusste, tragfähige Entscheidung mit einer überlegten und stimmigen Perspektive.
Warum diese Methode funktioniert
Diese vier Schritte verbinden Zielorientierung, Möglichkeitenbewusstsein und wertebasierte Reflexion. Statt sich im Kreis zu drehen, entsteht ein Entscheidungsprozess mit Richtung und Struktur.
Schritt 1 gibt die innere Ausrichtung vor
Schritt 2 konkretisiert die Handlungsmöglichkeiten
Schritt 3 objektiviert die Bewertung
Schritt 4 führt zur Umsetzung
So entsteht eine Entscheidung, die sowohl tragfähig als auch nachvollziehbar ist.
Kopf oder Bauch – was stimmt?
Beides. Der Kopf liefert Argumente, der Bauch liefert Erfahrung. Intuition ist besonders wertvoll, wenn sie auf erlebtem Wissen basiert. Aber sie kann trügen, wenn sie von Angst oder alten Mustern geprägt ist.
Tipp: Schlafen Sie bei grossen Entscheidungen eine Nacht darüber. Der emotionale Nebel lichtet sich, der Kopf bekommt Raum – und das Bauchgefühl wird klarer.
Was, wenn sich eine Entscheidung als falsch herausstellt?
Wie heisst es so schön: Wer nichts wagt, der nichts gewinnt. Aber, wenn Sie sich bewegen, dann haben Sie etwas gelernt. Keine Entscheidung ist endgültig – aber Nichtentscheiden hat den höchsten Preis. Korrigieren ist erlaubt, Stillstand aber lähmt.
Lieber eine mutige Entscheidung mit Blick nach vorne als ein ewiges Zögern aus Angst vor dem Falschen.
Fazit: Entscheiden heisst nicht perfekt sein – sondern bewusst handeln
Gute Entscheidungen basieren auf Klarheit, Werten und Mut. Nicht auf Sicherheit oder Perfektion. Man muss sie nicht für immer tragen – aber für den Moment verantworten können.
Letzter Gedanke:
Entscheidungen sind keine Endstationen –sie sind Startpunkte.Und Sie bestimmen, in welche Richtung Sie gehen.
